Kollaboration

zu these IV

„Eine abspaltende Reflexion – die sich etwa in der 68er Bewegung in der Frage “Ist das schon Faschismus?” einen unvergänglichen Ausdruck geschaffen hat – ist alles andere als ein sicherer Immunschutz gegen Kollaboration. Sie leistet ihre Präventionsarbeit nur um den Preis der Parteinahme mit den als nicht – oder “noch nicht” – faschistisch identifizierten und allein aus diesem Grund ins Allgemeine erhobenen Verhältnissen, die es vor dem “Umkippen” in Faschismus zu bewahren gelte, die aber ihrerseits den Faschismus hervorbringen.“

ilse bindseil in „zehn thesen gegen geschichtsphilosophie“

eben davor war die antideutsche geschützt, ihre (abstrakte) parteinahme für israel (und die vereinigten staaten) stellten ihren vorteil gegen die rest linke dar, machte ihre position zu einer exterritorialen; bewahrte ihrer kritik den negativen kern wo sie sich auf deutschland bezog und ermöglichte so den blick auf dessen bürgerlich-postnazistische verfasstheit – in der das unsägliche als potenzial und permanente drohung über dem haupt der menschheit sich erhält – und machte damit die kollaboration unmöglich.

zu these VI

die these berührt den wunden punkt kritischer theorie, die tatsache das ihre protagonisten samt ihrer theorie nicht mehr „allgemeine ausdrücke tatsächlicher verhältnisse eines existierenden klassenkampfes, einer unter unseren augen vor sich gehenden geschichtlichen bewegung“ sind, wie marx es für die kommunisten im manifest noch festhielt. Sondern vielmehr der rest eines geschichtlich überholten bewusstseins, das sich seiner antiquiertheit bewusst ist und doch durch sie versucht eine tür offenzuhalten die die geschichte bereits zusties. der vorwurf den ilse bindseil der kritischen theorie und ihren protagonisten macht findet sich bei diesen selbst, sie weiss selbst um ihre unfähigkeit die revolution „auf ihre Kappe zu nehmen“ und stört sich entgegen bindseils behauptung sehr wohl an ihrer position, weiss nur weder ein noch aus in anbetracht der ausweglosigkeit der gegenwärtigen gesellschaft.

News?

Nur wer das Neuste als Gleiches erkennt, dient dem, was verschieden wäre.

theodor adorno in „reflexionen zur klassentheorie“

tot geglaubt…

nach über einem jahr wieder da.

gleich 2 zitate

Wir waren überrascht von dem bösartigen Tin von Eike Geisel, der sich da so selbstgerecht als moralischer Wachhund unliebsamer Gedanken aufspieltel, und haben uns deshalb darauf beschränkt, in Kurzbeiträgen und Leserbriefen diese, wie wir meinte, sehr deutsche Form der Kritik zu thematisieren. Ein Leserbrief von Wolfgang Pohrt in der Taz hat uns belehrt, daß selbst diese Reaktion von uns eine vergebliche Anstregung war. Seine sprachlich kaum mehr verhüllten Vernichtungswünsche schließen eine argumentative Entgegnung von vornherein aus, und auf Pohrts zwanghaftes Spielen mit denunziatorischen Assoziationen haben wir uns nicht eingelassen.

die sätze stammen von der redaktion der zeitschrift ästhetik und kommunikation und sind von aus dem september 83 (heft 52). neue argumente gegen antideutsche kritik und polemik scheint es also gar nicht so wirklich zu geben. haben also menschen die einem philipp lennart z.b. solche dinge zurecht an den kopf werfen nun recht und sind clever oder wiederholen sie nur beständig alte argumente und finden wie ein blindes huhn auch einmal ein korn. mh.

vorrangegangen sind diesem zitat übringens scheinbar beiträge der einzelnen redaktionsmitglieder zu ihrem wünsch endlich linker deuscher oder linke deutsche sein zu können. das ganze erschien mit anderen artikeln und interviews im heft 51 unter dem thema „deutsche, linke, juden“. genaueres kann ich allerdings noch nicht sagen, heft 51 ist aber schon bestellt und dann wohl mehr

der artikel von eike geisel hieß wohl „familientreffen“ und war in der taz vom 7.7.83. das archiv der taz geht aber nur bis 86 zurück, sollte jemand den artikel haben wäre es super wenn er mir irgentwie ne gescannte kopie oder so schicken könnte…. den leserbrief von pohrt konnte ich auch nicht finden, auch hier freue ich mich über hilfe :)

Ich will noch zwei persönliche Bemerkungen anfügen. Was ich nicht verstehen kann, ist die Sehnsucht nach einer deutschen oder nationalen Identität, die in einigen Beiträgen wahrnehmbar ist. Ich liebe die deutsche Sprache, denke und träume in ihr. Ich verleugne auch nicht meine Herkunft. Aber mit einer deutschen Identität weiß ich nichts anzufangen. Kollektive Identität, ist das nicht Ersatz für fehlende oder mißlungene Ich-Identität?

wilfried gottschalch ebenfalls in Ästhetik und Kommunikation heft 52 zu dem biographischen teil der in heft 51 verfassten beiträge

was will die neue deutsche streikbewegung?

will sie den kommunismus? da sind wir uns völlig einig: wohl kaum.
will sie ein gutes leben im kapitalismus? da scheint zwar so unsinnig zu sein das es wahr sein könnte, aber auch das ist unwahr.
will sie zumindest etwas mehr lohn oder weniger überstunden, damit der einzelne mehr zeit und geld zur reproduktion hat? nein, sie will:

wir wollen wieder lust auf arbeit haben, wir wollen wieder lust auf leistung haben. das ist was wir uns für die zukunft wünschen.

so zumindest grade ein streik-führer dessen rede bei der tagesschau gezeigt wurde.
name und genauen wortlaut habe ich online leider noch nicht gefunden; versuche ich allederings nachzuholen.

dafür schonmal:

Es ist nicht vertretbar, daß unser Einkommen dauernd sinkt, während sich die Verwaltungsdirektoren die Taschen vollstopfen

frank ulrich montgomery (vorsitzender der ärztegewerkschaft „marburger bund“)

naja solange die ärzte keine andere sorgen kennen, als das sie von der nation ausgeschlossen werden, also „Vom Halbgott im Weiß zum Depp der Nation“(plakattext) gemacht werden scheint ja alles beim alten.

immer wieder intressant ist es doch zu beobachten, dass wenn deutsche (beamte) streiken sie in der lage sind die befreiende dynamik der streiks – von der anton pannekoek noch sinnvoll sprechen konnte- völlig verloren geht. bleibt die frage: was passiert wenn dieser streik zu einem wilden wird? (wenn das denn möglich ist/wäre).

ist er in der lage seine gewerkschaftskritische und vorallem praktisch staats- und kapitalismuskritische dynamik wieder zu gewinnen, oder enthemmt dies dessen teilnehmer zusätztlich und lässt ‚deren‘ deutschen arbeitswahn und die barbarei, die schon jetzt unter den ansagen der streikenden hervorlucken und zum himmel stinken, der allerdings auf grund einwohnerschwunds auch keine lösung perrat hält, sich zur fallen gewalt entfalten?

das einzige was sich vielleicht noch anmerken lässt ist:

Die ganze neue Geschichte ist ein einziger Tummelplatz von Totgesagtem, weshalb Zuversicht, was in unserer Zeit alles ausgeschlossen sei, stets auf dem Fuße das Staunen folgt, was in unserer Zeit alles möglich ist.

pohrt aufm konkret kongress 93

aber stellt sich die frage der kapitalismus, in streiks und unzufriedenheit, auf daf oder aau(e) zutreiben wirklich, oder wurde die nicht längst schon beantwortet?

wir wollen essen, damit wir arbeiten können und ähnliche krämpfe

omg

via i am a doughnut

was soll man schreiben? entäuschung und bitterer spott über genossen und den zeitgeist

zur zeit gibt es wohl kaum etwas zu berichten:
kapitalismus und deutschland sind immer noch nicht überwunden, die jüdinnen und juden weltweit immer noch bedroht (nicht nur im nahen osten, wie mancher heute vielleicht schon meint), überall wird man mit dem zugeschüttet was sich islam oder islamkritik schümpf, das auch oft ist, aber mit dem islam meist nicht annähernd soviel zu tun hat wie alle beteiligten glauben (selbstmordattentäter und islamistische antisemiten nicht ausgenommen) überschüttet, was mich nur nochlangweilt: denn was wirklich neues zu sagen haben sowieso die wenigsten (ich im übrigen auch nicht, im gegenteil meine kenntnisse sind eher äusserst begrenzt….aber wozu muss ich den koran lesen oder mich mit der geschichte des islam beschäftigen um faschisten zu kritisieren? und ja ich gebe zu: kenntisse über kaiser karl, die bibel und die edda haben mich meiner kritik des nationalsozialismus auch nicht grade beeinflusst.)
an der neuen deutschen wahl, in der rassistischer stereotyp und vermeintliche islamkritik antritt gegen antisemitischen antiimperialismus und feinde eines angeblichen neokolonialismus, werde ich mich nicht beteiligen.
stattdessen wühle ich mich durch einige englischen texte von anton pannekoek und paul mattick und verzieh mich mit depressionen auf die matratze: nichts und niemand verspricht eine lösung des problems, aber sich den mund fusselig zu reden oder sich in hasserfüllte pamphlete zu ergießen bringt auch nichts; das einzige was es bringen würde: ha erraten. kritik. nein, nicht das gestotter das allerorts zu hören ist, und in anbetracht der allgemeinen situation vielleicht die best mögliche ist, ich mein so richtig echte kritik die sich zur krise radikalisiert (danke an die isf für das schöne sprachbild) subversion, revolution: kommunismus machen.

aber ich weiss: heute ist da nichts zu machen, und es ist ja bewiesen das die revolution „schon längst überholt oder nicht mehr aktuell oder utopisch“ ist. übringens: sollten manche besser aufpassen sich nicht zu „beredten Anwälte(n)“ für das „Schlechte in der Welt“ macht, weil man den Zustand gegen den um sich greifenden faschismus in den arabischen ländern, ausspielt dem der letztere sein dasein überhaupt verdankt. nun folgen einige allgemeine tipps:
1)vielleicht sollte man mal wieder dahin kommen kommunistische kritik nicht mehr dazuzu benutzen den liberalismus gegen den faschismus stark zu machen, sondern beide als die scheiße darzustellen die sie sind und den kommunismus in angriff nehmen.

2)wenn pünjer im interview mit der t34 sagte

daß das Festhalten an der liberalen Idee von bürgerlicher Individualität gerade im Sinne der Dialektik der Aufklärung von Horkheimer/Adorno das bisher einzig historisch verbürgte Gegengift gegen kollektiven Zwang ist.

irrt er gewaltig, denn er tut so als sei die bürgerliche gesellschaft nicht schon barbarei. (abgesehen davon natürlich das die bürgerliche individualität selbst auch völlige scheiße ist und vorallem die funktion besitzt dem und der einzelnen vorzugaukeln er oder sie sei nicht völlig austauschbar)

zudem ist es wohl reine projektionzu glauben horkheimer und adorno hätten die bürgerliche gesellschaft und die bürgerliche individualität als verbürgtes gegengift begriffen

Man spricht vom drohenden Rückfall in die Barbarei. Aber er droht nicht, Auschwitz war er; Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern. Das ist das ganze Grauen. Der gesellschaftliche Druck lastet weiter, trotz aller Unsichtbarkeit der Not heute. Er treibt die Menschen zu dem Unsäglichen, das in Auschwitz nach weltgeschichtlichem Maß kulminierte.

Jetzt preisen die literarischen Gegner der totalitären Gesellschaft den Zustand, dem sie ihr Dasein verdankt, und verleugnen die Theorie, die sein Geheimnis aussprach, als es noch Zeit war.

3)übringens wenn sören sagt man solle ihm nicht mit dem vulgarismus kommen,

daß die bürgerliche Ideologie ja notwendig ihr Gegenteil erzeuge und man deshalb auch antiliberal und antibürgerlich sein müsse.

irrt er auch, zudumm wenn man meint zwischen zwei falschen alternativen wählen zu müssen:meist reicht es kommunistische kritik zu betreiben.

so genug bittere polemik, jaja ich weiss ich bin eigentlich nur irgentwie entäuscht und mich schmerzen diese an- bzw. einsichten mehr als diejenigen gegen die sich diese spitzen richten. aber hey ich bin jung, ich darf das. und jetzt zieh ich mir etwas schokolade rein, dreh ernst busch auf volle lautstärke und lass meinem arbeiterbewegungsfetisch freien lauf.

unvernunft hat….

in dieser gesellschaft ja bekanntlich system. aber die ganzen pseudo-debatten und unterhaltungen über die ausschreitungen gegen europäische botschaften, antideutsche mit neuerdings dänischen und norwegischen fahnen (bleibt noch auf die deutsche zu warten, immerhin wurde ja auch deutsche einrichtungen angegriffen) und das gefasel vom angriff auf die westliche welt und der wunderbaren errungenschaft der meinungsfreiheit gehen mir mittlerweile auf die nerven.

a) toleranz und die dazugehörige meinungsfreiheit sind scheiße und selbst repressiv.
b) es ist intressant wie sich der fahnenkult der arbeiterbewegung in der antideutschen szene fortsetzt und auch wenn er seine funktion als mittel der intervention längst verloren hat. es glaubt doch niemand ernsthaft sein gefasel vom tollen freien europa und seine solidarität mit dänemark und norwegen würde bei irgend einem deutschen spießbürger mißmut erzeugen?
c) warum versucht man die bürgerliche gesellschaft immer wieder gegen ihr ideal auszuspielen und schreit darauf hin „ha! erwischt vorbürgerliche verhältnisse“; statt endlich zu begreifen das die bürgerliche Gesellschaft ihrem ideal gar nicht gerecht werden kann und das keine frage „vorbürgerlicher relikte“ ist.

böser islam oder tolle „westliche, der Aufklärung entsprungenen Gesellschaft“ (GWG) scheint man sich zu fragen und zuvergessen was man bei der lektüre der dialektik der aufklärung hätte begreifen sollen. hat nicht wolfgang pohrt mal soetwas gesagt wie das es dinge gibt „die so falsch sind, das nichteinmal ihr gegenteil richtig ist“ ? vielleicht sollte man man den satz vom ausgeschlossenen dritten vergessen und sich für das richtige entscheiden, anstatt zwei falsche alternative gegeneinander auszuspielen.

der mensch ist der bruder des menschen!

Wer heute sein Ideal gefunden hat, ist wie Lots Weib bereits zur Salzsäule erstarrt, ist bereits in die Erde gesunken und bewegt sich nicht mehr vorwärts. Nur von Häretikern wird die Welt am Leben erhalten: dem Häretiker Christus, dem Häretiker Kopernikus, dem Häretiker Tolstoi. Das Symbol unseres Glaubens ist die Häresie: Morgen ist unausweichlich eine Häresie für das Heute, das zur Salzsäule erstarrt, und für das Gestern, das zu Staub zerfallen ist. Das Heute leugnet das Gestern, aber wird Morgen dieses Leugnen leugnen. Das ist die beständige dialektische Bewegung, die die Welt in einer großartigen Parabel ins Unendliche treibt. Gestern, die These, heute, die Antithese, und morgen, die Synthese. Gestern gab es den Zar, und es gab Sklaven; heute gibt es keinen Zar mehr, aber die Sklaven sind geblieben; morgen wird es nur noch Zaren geben. Wir marschieren im Namen des freien Menschen von morgen- des königlichen Menschen. Wir haben eine Epoche der Unterdrückung der Massen durchlebt; nun leben wir in einer Epoche der Unterdrückung des Individuums im Namen der Massen; das Morgen wird die Befreiung des Individuums bringen- im Namen des Menschen. Kriege- imperialistische Kriege und Bürgerkriege- haben den Menschen zu Kriegsmaterial gemacht, zu einer Nummer, einer Ziffer. Der Mensch ist um des Sabbats willen vergessen worden. Wir wollen an etwas anderes erinnern: daran, dass der Sabbat für den Menschen da ist. Die einzige Waffe, die des Menschen – des Menschen von morgen- würdig ist, ist das Wort. Mit dem Wort hat die russische Intelligenzia, die russische Literatur, jahrzehnte lang für das große menschliche Morgen gekämpft. Und heute ist es an der Zeit, diese Waffe erneut zu erheben. Der Mensch stirbt. Der stolze homo erektus lässt sich auf alle Viere fallen; es wachsen ihm Klauen und Pelz; die Bestie gewinnt die Oberhand im Menschen. Das grausame Mittelalter kennt zurück, der Wert des menschlichen Lebens fällt jäh ab; eine neue Welle europäischer Pogrome wälzt sich heran. Es ist unmöglich, länger zu schweigen. Es ist Zeit aufzuschreien: der Mensch ist der Bruder des Menschen.

[jewgeni samjatin in „a sovjet heretic, essays“ zitiert nach tintenfass nr.11]

oder ein…

Mein Homer ist kein Kommunist. Er ist vielleicht ein Lügner, ein Schwein, ein Idiot oder ein Kommunist, aber er ist ganz sicherlich kein Pornostar!“

…der verbrecher unterbricht die monotonie und alltagssicherheit des bürgerlichen lebens…

Der Verbrecher produziert einen Eindruck, teils moralisch, teils tragisch, je nachdem, und leistet so der Bewegung der moralischen und ästhetischen Gefühle des Publikums einen „Dienst“. Er produziert nicht nur Kompendien über das Kriminalrecht, nicht nur Strafgesetzbücher und damit Strafgesetzgeber, sondern auch Kunst, schöne Literatur, Romane und sogar Tragödien, wie nicht nur Müllners „Schuld“ und Schillers „Räuber“, sondern selbst „Ödipus“ und „Richard der Dritte“ beweisen. Der Verbrecher unterbricht die Monotonie und Alltagssicherheit des bürgerlichen Lebens. Er bewahrt es damit vor Stagnation und ruft jene unruhige Spannung und Beweglichkeit hervor, ohne die selbst der Stachel der Konkurrenz abstumpfen würde. Er gibt so den produktiven Kräften einen Sporn. Während das Verbrechen einen Teil der überzähligen Bevölkerung dem Arbeitsmarkt entzieht und damit die Konkurrenz unter den Arbeitern vermindert, zu einem gewissen Punkt den Fall des Arbeitslohns unter das Minimum verhindert, absorbiert der Kampf gegen das Verbrechen einen andern Teil derselben Bevölkerung. Der Verbrecher tritt so als eine jener natürlichen „Ausgleichungen“ ein, die ein richtiges Niveau herstellen und eine ganze Perspektive „nützlicher“ Beschäftigungszweige auftun.

[marx „abschweifung über produtkive arbeit“ online hier]

eben!

Ein Rabbi im Restaurant. Er bestellt sich eine Suppe. Der Kellner bringt diese und stellt sie auf den Tisch. Er dreht sich um und will gehen, da spricht ihn der Rabbi an: „Probieren sie mal die Suppe!“
Kellner: „Kein Problem, wenn die Suppe zu kalt ist, tausche ich sie aus.“
Rabbi: Nein, nein, probieren Sie sie selber mal!
Kellner: Aber, mein Herr, ist gar kein Problem, ich bringe Ihnen eine neue, wunderbar frisch und warme Suppe.
Rabbi: Probieren Sie!
Kellner: Also…
Rabbi: Probieren, habe ich gesagt!
Der Kellner setzte sich: „Wo ist denn der Löffel?“
Rabbi: „Eben!“

„Gehe ich als Knabe rein und komme ich raus, weiß ich viel, vielleicht zuviel für ein Leben“

Wo rein kommt man als Knabe und hat schon fünf Jahre später, wenn man wieder „raus“ kommt, graue Haare? Es wird ihm bei seiner Ankunft als „ein deutsches Konzentrationslager“ vorgestellt, der Name des Lagers: Auschwitz. Stanislaw Hantz ist bei der Ankunft im Lager am 15.8.1940 grade 17 Jahre alt. Für mehr als fünf Jahre wird er gefangen bleiben, bis er am 29.4.1945 von amerikanischen Truppen im Konzentrationslager Dachau befreit wird. Er wird verhaftet, weil er den gleichen Namen wie sein Vater trägt. Sein Vater war, 79-jährig, bereits im Oktober 1939 wegen „sozialistischer Ideen“ verhaftet worden und im Dezember 1939 kurz nach seiner Haftentlassung verstorben. Als er erneut verhaftet werden soll und die Nazis ihn nicht mehr vorfinden, nehmen sie kurzer Hand den Sohn mit.
„Das Leben mit Auschwitz des Stanislaw Hantz“ erzählt Karin Graf in dem Buch „Zitronen aus Kanada“. Sie lässt vor allem Stanislaw selbst immer wieder zu Wort kommen, erzählt die Geschichten des Lageralltags in Auschwitz und von den Zufällen, die dazu führten, dass Stanislaw fünf Jahre Auschwitz, 53 Tage „Bunkerhaft“ im Todesblock und den Todesmarsch nach Dachau überlebte. Wenn Stanislaw erzählt, wie er lange nach dem Krieg in einem Hotel am Bahnhof von Oswiecim, in der Nähe von Auschwitz, übernachtete und nicht schlafen konnte, „weil Rampe von Birkenau ist so nah und muß ich aufpassen, ob da Menschen, Juden, drinne sind in Waggon- oder Kohle“ oder wenn er auf die Frage der Autorin, ob er Goldzähne hätte, nur lachend antwortet „nicht ein Gramm, weil da lebe ich nicht lange“ und auf den Einwand sein Metallzahnersatz sei doch erst nach 1945 eingesetzt wurden, nur erwidert „habe ich Silber, ist auch gefährlich“, wird klar wie sehr Auschwitz noch immer Teil seines Lebens ist. Bei einem „Besuch“ der Gedenkstätte sagt er: „Ich bin kein Besucher, ich wohne hier noch – ein bisschen“.

Schon im März 1946 kehrt Stanislaw zurück nach Auschwitz um dort am Aufbau des Museums zu helfen. Authentisch sollen das Museum und die Darstellung des Lebens in Auschwitz sein, damit ein Eindruck von dem entstehen kann, das sich doch gegen jedes Begreifen und Erfassen verschließt: Auschwitz. Das Buch bewegt sich eindrucksvoll in diesem Spannungsfeld und ermöglicht so eine leichte Ahnung der mörderischen Willkür des Lageralltags.

Karin Graf „Zitronen aus Kanada- Das Leben des Stanislaw Hantz“; Verlag des Staatlichen Museums Auschwitz- Birkenau, Oswiecim/Polen 1998; Das Buch kostet etwa 12 Euro und kann z.B. beim Stanislaw Hantz Bildungswerk e.V. unter http://www.bildungswerk-ks.de/ bestellt werden.