der demokratische Sozialismus

NoskeEbert

Die SPD habe im übrigen „in ihrer Geschichte nichts zurückzunehmen“.
K.Beck

die spd rückt nach links schreit die welt, dieses wissen beruhigt nun ihre kritiker aus den eigenen reihen und ihrer befreundeten organisationen. die welt scheint wieder heil zu sein für das sozialdemokratische weltbild, denn auch die partei passt wieder hinein und das gewissen drückt nicht mehr so sehr. jetzt kann es also weiter gehen wie bisher, was hat man auch anderes erwartet ? ich weiss nichteinmal ob sie heute noch gefährlich ist, immerhin ein arbeiter_innenaufstand den sie niederschießen könnte – ist wohl nicht in sicht.

„Gold gab ich für Eisen“

1813 appellierte das preußische königshaus an alle national denkenden deutschen ihren goldschmuck gegen „patriotischen eisenschmuck“ zu tauschen, um mit dem erlös truppen auszurüsten, die den geschlagen aus russland zurückkehrenden hegelschen weltgeist zu pferde zu erledigen und mit ihm die französische vorherschaft über die deutschen lande zu beenden.

ähnliche kampagnen haben auch heute nichts an reiz verloren: würde man sie heute durchführen und all jene die sich an ihr – wider noch das letzte bisschen kapitalistische rationalität – beteiligen einfach wegsperren oder vereinzelt über die welt verteilen, hätte man den prozentualen anteil der menschen an der gesamtbevölkerung in deutschland doch schlagartig erhöht. vielleicht ist die dialektik von reform und revolution ja noch nicht ganz verloren gegangen ;)

Flaggen-Kult

was für eine flagge zeigt das leipziger bündnis gegen antisemitismus?
die iranische! Nein keine antisemiten und anhänger einer Gottesdiktatur, sondern wachechte monarchisten, denn nicht die flagge der islamischen rebublik, sondern die des iranischen staats unter herrschaft des schaahs, wird hier frohgemut durch die gegend geführt(vgl. hier). wie man auf solch reaktinären schwachsinn kommt bleibt mir unklar, klar ist scheinbar auch die jungs und mädchen ihre hausaufgaben in punkto flaggenkunde nicht gemacht haben, so steht das grün der flagge wohl für den islam, das weiss für die den frieden und das rot für für mut und tapferkeit, für die des iranischen volkes steht auch der löwe, usw. usf.
was umtreibt leute die von sich behaupten kommunisten zu sein bei solch einem schwachsinn?
entweder wohl dummheit und unwissen, also politik und identität oder aber es ist im laufe der zeit die einsicht verlorengegangen, dass die guillotine die passende umgangsform für könige und kaiser, auch von persien, darstellt.

was will die neue deutsche streikbewegung?

will sie den kommunismus? da sind wir uns völlig einig: wohl kaum.
will sie ein gutes leben im kapitalismus? da scheint zwar so unsinnig zu sein das es wahr sein könnte, aber auch das ist unwahr.
will sie zumindest etwas mehr lohn oder weniger überstunden, damit der einzelne mehr zeit und geld zur reproduktion hat? nein, sie will:

wir wollen wieder lust auf arbeit haben, wir wollen wieder lust auf leistung haben. das ist was wir uns für die zukunft wünschen.

so zumindest grade ein streik-führer dessen rede bei der tagesschau gezeigt wurde.
name und genauen wortlaut habe ich online leider noch nicht gefunden; versuche ich allederings nachzuholen.

dafür schonmal:

Es ist nicht vertretbar, daß unser Einkommen dauernd sinkt, während sich die Verwaltungsdirektoren die Taschen vollstopfen

frank ulrich montgomery (vorsitzender der ärztegewerkschaft „marburger bund“)

naja solange die ärzte keine andere sorgen kennen, als das sie von der nation ausgeschlossen werden, also „Vom Halbgott im Weiß zum Depp der Nation“(plakattext) gemacht werden scheint ja alles beim alten.

immer wieder intressant ist es doch zu beobachten, dass wenn deutsche (beamte) streiken sie in der lage sind die befreiende dynamik der streiks – von der anton pannekoek noch sinnvoll sprechen konnte- völlig verloren geht. bleibt die frage: was passiert wenn dieser streik zu einem wilden wird? (wenn das denn möglich ist/wäre).

ist er in der lage seine gewerkschaftskritische und vorallem praktisch staats- und kapitalismuskritische dynamik wieder zu gewinnen, oder enthemmt dies dessen teilnehmer zusätztlich und lässt ‚deren‘ deutschen arbeitswahn und die barbarei, die schon jetzt unter den ansagen der streikenden hervorlucken und zum himmel stinken, der allerdings auf grund einwohnerschwunds auch keine lösung perrat hält, sich zur fallen gewalt entfalten?

das einzige was sich vielleicht noch anmerken lässt ist:

Die ganze neue Geschichte ist ein einziger Tummelplatz von Totgesagtem, weshalb Zuversicht, was in unserer Zeit alles ausgeschlossen sei, stets auf dem Fuße das Staunen folgt, was in unserer Zeit alles möglich ist.

pohrt aufm konkret kongress 93

aber stellt sich die frage der kapitalismus, in streiks und unzufriedenheit, auf daf oder aau(e) zutreiben wirklich, oder wurde die nicht längst schon beantwortet?

was soll man schreiben? entäuschung und bitterer spott über genossen und den zeitgeist

zur zeit gibt es wohl kaum etwas zu berichten:
kapitalismus und deutschland sind immer noch nicht überwunden, die jüdinnen und juden weltweit immer noch bedroht (nicht nur im nahen osten, wie mancher heute vielleicht schon meint), überall wird man mit dem zugeschüttet was sich islam oder islamkritik schümpf, das auch oft ist, aber mit dem islam meist nicht annähernd soviel zu tun hat wie alle beteiligten glauben (selbstmordattentäter und islamistische antisemiten nicht ausgenommen) überschüttet, was mich nur nochlangweilt: denn was wirklich neues zu sagen haben sowieso die wenigsten (ich im übrigen auch nicht, im gegenteil meine kenntnisse sind eher äusserst begrenzt….aber wozu muss ich den koran lesen oder mich mit der geschichte des islam beschäftigen um faschisten zu kritisieren? und ja ich gebe zu: kenntisse über kaiser karl, die bibel und die edda haben mich meiner kritik des nationalsozialismus auch nicht grade beeinflusst.)
an der neuen deutschen wahl, in der rassistischer stereotyp und vermeintliche islamkritik antritt gegen antisemitischen antiimperialismus und feinde eines angeblichen neokolonialismus, werde ich mich nicht beteiligen.
stattdessen wühle ich mich durch einige englischen texte von anton pannekoek und paul mattick und verzieh mich mit depressionen auf die matratze: nichts und niemand verspricht eine lösung des problems, aber sich den mund fusselig zu reden oder sich in hasserfüllte pamphlete zu ergießen bringt auch nichts; das einzige was es bringen würde: ha erraten. kritik. nein, nicht das gestotter das allerorts zu hören ist, und in anbetracht der allgemeinen situation vielleicht die best mögliche ist, ich mein so richtig echte kritik die sich zur krise radikalisiert (danke an die isf für das schöne sprachbild) subversion, revolution: kommunismus machen.

aber ich weiss: heute ist da nichts zu machen, und es ist ja bewiesen das die revolution „schon längst überholt oder nicht mehr aktuell oder utopisch“ ist. übringens: sollten manche besser aufpassen sich nicht zu „beredten Anwälte(n)“ für das „Schlechte in der Welt“ macht, weil man den Zustand gegen den um sich greifenden faschismus in den arabischen ländern, ausspielt dem der letztere sein dasein überhaupt verdankt. nun folgen einige allgemeine tipps:
1)vielleicht sollte man mal wieder dahin kommen kommunistische kritik nicht mehr dazuzu benutzen den liberalismus gegen den faschismus stark zu machen, sondern beide als die scheiße darzustellen die sie sind und den kommunismus in angriff nehmen.

2)wenn pünjer im interview mit der t34 sagte

daß das Festhalten an der liberalen Idee von bürgerlicher Individualität gerade im Sinne der Dialektik der Aufklärung von Horkheimer/Adorno das bisher einzig historisch verbürgte Gegengift gegen kollektiven Zwang ist.

irrt er gewaltig, denn er tut so als sei die bürgerliche gesellschaft nicht schon barbarei. (abgesehen davon natürlich das die bürgerliche individualität selbst auch völlige scheiße ist und vorallem die funktion besitzt dem und der einzelnen vorzugaukeln er oder sie sei nicht völlig austauschbar)

zudem ist es wohl reine projektionzu glauben horkheimer und adorno hätten die bürgerliche gesellschaft und die bürgerliche individualität als verbürgtes gegengift begriffen

Man spricht vom drohenden Rückfall in die Barbarei. Aber er droht nicht, Auschwitz war er; Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern. Das ist das ganze Grauen. Der gesellschaftliche Druck lastet weiter, trotz aller Unsichtbarkeit der Not heute. Er treibt die Menschen zu dem Unsäglichen, das in Auschwitz nach weltgeschichtlichem Maß kulminierte.

Jetzt preisen die literarischen Gegner der totalitären Gesellschaft den Zustand, dem sie ihr Dasein verdankt, und verleugnen die Theorie, die sein Geheimnis aussprach, als es noch Zeit war.

3)übringens wenn sören sagt man solle ihm nicht mit dem vulgarismus kommen,

daß die bürgerliche Ideologie ja notwendig ihr Gegenteil erzeuge und man deshalb auch antiliberal und antibürgerlich sein müsse.

irrt er auch, zudumm wenn man meint zwischen zwei falschen alternativen wählen zu müssen:meist reicht es kommunistische kritik zu betreiben.

so genug bittere polemik, jaja ich weiss ich bin eigentlich nur irgentwie entäuscht und mich schmerzen diese an- bzw. einsichten mehr als diejenigen gegen die sich diese spitzen richten. aber hey ich bin jung, ich darf das. und jetzt zieh ich mir etwas schokolade rein, dreh ernst busch auf volle lautstärke und lass meinem arbeiterbewegungsfetisch freien lauf.

der mensch ist der bruder des menschen!

Wer heute sein Ideal gefunden hat, ist wie Lots Weib bereits zur Salzsäule erstarrt, ist bereits in die Erde gesunken und bewegt sich nicht mehr vorwärts. Nur von Häretikern wird die Welt am Leben erhalten: dem Häretiker Christus, dem Häretiker Kopernikus, dem Häretiker Tolstoi. Das Symbol unseres Glaubens ist die Häresie: Morgen ist unausweichlich eine Häresie für das Heute, das zur Salzsäule erstarrt, und für das Gestern, das zu Staub zerfallen ist. Das Heute leugnet das Gestern, aber wird Morgen dieses Leugnen leugnen. Das ist die beständige dialektische Bewegung, die die Welt in einer großartigen Parabel ins Unendliche treibt. Gestern, die These, heute, die Antithese, und morgen, die Synthese. Gestern gab es den Zar, und es gab Sklaven; heute gibt es keinen Zar mehr, aber die Sklaven sind geblieben; morgen wird es nur noch Zaren geben. Wir marschieren im Namen des freien Menschen von morgen- des königlichen Menschen. Wir haben eine Epoche der Unterdrückung der Massen durchlebt; nun leben wir in einer Epoche der Unterdrückung des Individuums im Namen der Massen; das Morgen wird die Befreiung des Individuums bringen- im Namen des Menschen. Kriege- imperialistische Kriege und Bürgerkriege- haben den Menschen zu Kriegsmaterial gemacht, zu einer Nummer, einer Ziffer. Der Mensch ist um des Sabbats willen vergessen worden. Wir wollen an etwas anderes erinnern: daran, dass der Sabbat für den Menschen da ist. Die einzige Waffe, die des Menschen – des Menschen von morgen- würdig ist, ist das Wort. Mit dem Wort hat die russische Intelligenzia, die russische Literatur, jahrzehnte lang für das große menschliche Morgen gekämpft. Und heute ist es an der Zeit, diese Waffe erneut zu erheben. Der Mensch stirbt. Der stolze homo erektus lässt sich auf alle Viere fallen; es wachsen ihm Klauen und Pelz; die Bestie gewinnt die Oberhand im Menschen. Das grausame Mittelalter kennt zurück, der Wert des menschlichen Lebens fällt jäh ab; eine neue Welle europäischer Pogrome wälzt sich heran. Es ist unmöglich, länger zu schweigen. Es ist Zeit aufzuschreien: der Mensch ist der Bruder des Menschen.

[jewgeni samjatin in „a sovjet heretic, essays“ zitiert nach tintenfass nr.11]

Hört auf zu lernen, fangt an zu begreifen!

Die überwältigende Mehrheit von uns drückt die Schulbank oder kam zumindest irgendwann in seinem Leben in diesen (manchmal etwas zweifelhaften) Genuss. Was man dort tut und tun soll, darüber besteht ein breiter Konsens: etwas lernen. Einige ganz besonders Ausgefuchste behaupten für das Leben, die noch Wagemutigeren für uns selbst. Wer die Schulbank allerdings drückt und nicht voll daneben ist, der oder die kann sich ein gewisses Schmunzeln ob solcher Phrasen nicht verkneifen, denn sie sind die besten Witze die im einschläfernden Schulalltag zu bekommen sind. Übrigens: Auch Schulkritiker gehören zu den ungewollten Komikern unserer Zeit. Nicht wenige dieser Zunft klagen nämlich darüber, dass die Schule uneffektiv wäre oder aufs Leben nicht vorbereite. Als ob irgendetwas einen gesunden Menschen auf acht, oder noch mehr, dumpfe und oft unsinnige Stunden Arbeit vorbereiten könnte. Oder darauf vorbereiten das Wochenende und Urlaub inklusive sex, drugs and rock and roll, den letzten großen Glücksversprechen, die der Kapitalismus noch zu bieten hat, doch nur soviel Erholung bedeutet, dass man sich Montag Morgen um fünf wieder aus dem Bett quälen kann und nicht unmittelbar den Wunsch danach verspürt aus dem Fenster zu springen oder Wecker und Wohnung zu demolieren. Die Schule lässt sich nicht gegen ihr Ideal ausspielen, gegen den Traum einer schöneren, tolleren und spannenderen Schule. Sie ist ein Kleinstmodell dieser Gesellschaft und eine Mischung Urlaub im Wartezimmer und profilaktischem Zahnarztbesuch. Sie bereitet langsam vor, damit das Leben des Erwachsenen nicht wie der Sprung ins Kalte Wasser anmutet, gleichzeitig macht sie Verwertbar. Schafft lauter kleine Bauarbeiterinnen, Lehrer, Soldatinnen, Bürokraten, Chefinnen und arbeitsgeile Arbeitslose; in einer Gesellschaft in der kreative und selbstständige Arbeitskräfte benötigt werden, spuckt sie lauter super kreative Kerls und Mädels aus, und redet dabei ernsthaft von „Persönlichkeiten und Individuen“; kurz: sie setzt Himmel und Hölle, Kreide und Tafel in Bewegung damit die ganze Scheiße niemals aufhört. Wenn die Lehrer, Politiker und Pädagogen davon sprechen die Schule müssen fürs Leben qualifizieren und dazu führen, dass der Schüler bzw. die Schülerin sich im Leben behaupten könne ist das Gegenteil der Fall. Die menschliche Qualifikation der Schule besteht in der Fähigkeit ihrer Absolventen an der Wirklichkeit nicht verrückt zu werden, die Fähigkeit sich zu behaupten ist die Fähigkeit, sich so gut anzupassen, dass man weder davon bedroht ist ausgeschlossen zu werden, noch davon hinten runter zu fallen. Letzteres allerdings gilt nur dann als ärgerlich, wenn es angeblich auf Kosten aller geschieht. Deswegen geht es im Sozialwissenschafts-Unterricht auch nicht darum wie grauenvoll es ist zu arbeiten (Menschen die arbeiten müssen sterben früher, sind öfter krank und haben vermehrt psychische Probleme), und auch nicht primär darum, wie diese Gesellschaft einem das Leben zur Hölle macht, wenn es Mann oder Frau nicht gelingt seine bzw. ihre Arbeitskraft auf dem Markt loszuwerden; sondern um die doppelten Kosten der Arbeitslosigkeit für die Gemeinschaft und darum wie toll doch Arbeit ist.
Niemand spricht sich gegen das Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens aus, selbst das Erlernen von Fremdsprachen, Naturwissenschaften und – für jene die ins Gymnasium sortiert wurden- das Erlernen der Grundlagen der Philosophie sind nicht zu verachten, teils sogar unverzichtbar. Nicht das kritisches Denken und Schule unvereinbar wären, sie bedingen sich sogar ein stückweit: die Schule vermittelt eben die Grundlagen durch die kritisches Denken erst möglich wird und ist gleichzeitig darauf ausgelegt das Begreifen und Durchdringen der Dinge, hinter dem Sammeln von zusammenhangslosen Informationen über sie zurückzustellen. Das bloße Sammeln von Wissen ist jedoch schon genauso sträflich wie sein Einsatz fürs Falsche, seine Neutralität verbietet sich in anbetracht des Zustandes in dem sich die Welt befindet.
Gegen das Alte müsste sich ein neues Lernen durchsetzten, das „nirgends bloß auf die Vermehrung des Wissens als solchen ab(zielt), sondern auf die Emanzipation des Menschen aus versklavenden Verhältnissen.“ (Horkheimer). Das Lernen in der Schule, das bloße Verwertbarmachung für Markt und Gesellschaft (Qualifikation und Personalisation), die Unterwerfung unter die gesellschaftlichen Verhältnisse (Integration) und die Sicherung von Konkurrenzvorteilen bzw. Hierarchisierung (Selektion); müssen ersetzt werden durch ein Lernen das auf Begreifen der Gesellschaft und der eigenen Stellung in ihr zielt. Dieses Begreifen allerdings wäre gleichbedeutend mit der Einsicht in die Notwendigkeit, die herrschenden Verhältnisse „in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ umzuwerfen.